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WEINMARKT - Geschichte und Gestaltung

Augsburgs berühmtester 'Platz' war über Jahrhunderte der Weinmarkt. Seit 1396 stand neben St. Moritz das 'Tanzhaus', das während Reichstagen als kaiserliche Audienzhalle genutzt wurde.  Dem Tanzhaus gegenüber erhob sich das Weinsiegelhaus.  Der langgezogene Straßenmarkt dazwischen erinnerte an die Piazza delle Erbe in Verona. Nicht in der Mitte, sondern an der Mündung der Heilig-Grab-Gasse in den Weinmarkt wurde der Herkulesbrunnen aufgestellt, denn der Kaiser zog bei Reichstagen vom Roten Tor aus über Bäckergasse, Predigerberg und Heilig-Grab-Gasse ins Stadtzentrum ein. 

Elias Holl brach zwischen 1626 und 1633 schließlich das Tanzhaus ab, wodurch der Stadtraum monumentaler wurde, aber seinen Platzcharakter verlor und eher einer Straße ähnelte: Der Weinmarkt verschmolz mit dem Korn-, Holz- und Brotmarkt, auf dem der Merkurbrunnen stand. Als 1809 schließlich auch das Weinsiegelhaus abgebrochen wurde, löste sich der Weinmarkt in einem Straßenprospekt zwischen den beiden Ulrichskirchen sowie Rathaus und Perlachturm auf, der nach König Maximilian I. Joseph von Bayern benannt wurde, seit 1957 aber Kaiser Maximilian I. gewidmet ist.
Der Durchbruch der Bürgermeister-Fischer-Straße änderte auch die räumliche Situation bei St. Moritz: Das ehemalige Zunfthaus der Weber wurde abgebrochen und 1913/14 an zurückversetzter Baulinie rekonstruiert. Die Form der ebenfalls 1913 abgebrochenen Kornschranne wurde 1979-80 beim Bau einer Tram-Wartehalle wieder aufgenommen. 

 

Waren die ab 1512 sukzessive gebauten Fuggerhäuser über Jahrhunderte die einzige Architektur monumentalen Ausmaßes, so entstanden auf der Westseite des Weinmarkts im 18. Jahrhundert mit dem Hotel 'Drei Mohren' (heute Maximilians) und dem Palais Liebert (Schaezlerpalais) zwei weitere Großbauten, beide mit straßenseitigen Balkonen, die es in Augsburg bis dahin nur am Rathaus gegeben hatte. Das 'Drei Mohren' wurde 1875-77 von Ludwig Leybold erheblich vergrößert, dieser Bau 1944 beschädigt und die Ruine bis 1951 abgebrochen, wodurch der Stadtraum seinen architektonischen Höhepunkt verlor. 

 

Beide Brunnen erheben sich heute an anderen Positionen als ursprünglich: Das Podest des Herkulesbrunnen wurde verdreht, sodass die Figur heute anders im Straßenraum steht. Der Merkurbrunnen wurde mehrfach verschoben weil er als „das schlimmste Verkehrshindernis an diesem Kreuzungspunkt“ empfunden wurde, wie die Augsburger Allgemeine 1960 schrieb. 

 

Der ehemalige Weinmarkt wird gegenwärtig vor allem von in die Stadt fahrenden PKW genutzt, an den Straßenseiten sind Parkplätze ausgewiesen. Auf den breiten Gehsteigen gibt es Zonen für Freiluftgastronomie. 

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