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FLÄCHEN UND NUTZUNGEN
 
Über Jahrhunderte wurden die Plätze als Verkehrsflächen und als Märkte genutzt, Geräusche und Gerüche waren hiervon geprägt. Auf den Plätzen standen neben den genannten Zier- auch Pump- und Röhrbrunnen mit Überlaufbecken, in denen gewaschen werden konnte. Vor allem der Weinmarkt und der Eiermarkt bildeten gleichsam Bühnen für Ereignisse wie Reichstage, Besuche von Adeligen oder Personen aus der Politik, aber auch für Feste.  

Die Hauptstraßen und Plätze waren noch um 1400 Jahrhundert weitgehend mit Kies beschüttet und häufig mit Gras bewachsen. Ein Chronist schrieb „es war zu aller zeit kotig überall in der stat.“

Zunächst wurden auf Plätzen Holzplanken fest verlegt, seit 1391 auch Flusskiesel. Seit 1413 gab es einen Pflastermeister. Per kaiserlichem Freiheitsbrief wurde schließlich 1418 geregelt, dass die Stadt von jedem beladenen Wagen einen Pfennig Pflasterzoll bei Ein- und bei Ausfahrt durch die Stadttore verlangen durfte. Im 18. Jahrhundert wurden zudem Trottoirs aus roten Lehmplatten angelegt, die auch mit hochhakigen Schuhen bequemer zu begehen waren. 
Die Verkehrsräume wurden seit 1849 immer weiter versiegelt, vor allem mit Bruchsteinpflaster, später mit Asphalt. Gebräuchlich blieben aber bis ins 20. Jahrhundert auch Kieselsteine. Als 1880 die Schienen der Pferdebahn verlegt wurden, waren die tiefgreifenden Veränderungen, die in der Folge durch den stark anwachsenden Verkehr eintreten sollten, noch nicht absehbar. Elektrische Straßenbahnen, später Autos, Lastwagen oder Busse besetzten immer größere Flächen, während alle, die zu Fuß unterwegs waren, immer mehr an die Platzränder gedrängt wurden. 
Die 1930 realisierte Idee eines zentralen Stadtmarktes erwies sich für die Nutzung der alten Plätze als folgenschwer. Obst-, Kessel- oder Salzmarkt wurden kaum mehr besucht, sie verödeten, entwickelten sich seit den 1950er Jahren zu PKW-Abstellflächen. Mit dem Ernst-Reuter-Platz entstand sogar ein völlig dem parkenden Automobil gewidmeter Ort Andere innerstädtische Plätze wurden 1970 Teil der ganz dem Einkaufen gewidmeten Fußgängerzone. Eine einheitliche Gestaltung des Stadtbodens existiert seitdem nicht mehr, vielerorts stattdessen ein Flickenteppich unterschiedlicher Gestaltungskonzepte. 
Und wer tummelte sich so auf den Plätzen?
Interview mit Kertin Lengger, Leiterin des Stadtarchivs Augsburg
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